Wissenstransfer

Inhalt

  • Wissenschaftskommunikation.de
  • Tagung „Erzählte Welt. Sinnstiftung in Zeiten kultureller und politischer Umbrüche“
  • Kunstinstallation „Networked Life“
  • Herrenhäuser Gespräche: Web 2.0 – Kulturkiller oder Kreativraum

Wissenschaftskommunikation.de ein Interview über das Erzählen im Zeitalter des Internets

Frau Schachtner, welche Funktionen haben Geschichten heute für die Menschen?

Beim Geschichtenerzählen spielen heutzutage gesellschaftliche Veränderungen wie Individualisierung, Enttraditionalisierung und Pluralisierung eine Rolle. Damit verbunden sind viele Herausforderungen für uns einzelne Menschen. Die Individualisierung bietet neue Freiheiten und Chancen. Sie birgt jedoch zugleich die Gefahr des Alleinseins, des Nicht-Verbundenseins mit anderen. Enttraditionalisierung bedeutet, dass traditionelle Werte und Lebensmodelle an Gültigkeit verlieren und damit Orientierungsmuster verschwinden, an denen man Lebenspläne festmachen konnte. Die einzelnen Menschen sind bei der Suche nach neuen Werten auf sich selbst geworfen. Die Pluralisierung der Gesellschaft führt dazu, dass sich die Lebensräume vervielfältigen, in denen wir unterschiedliche Aufgaben erfüllen und Rollen spielen müssen. Erzählungen dienen dazu, sich mit diesen Herausforderungen auseinanderzusetzen und sie zu meistern.

https://www.wissenschaftskommunikation.de/erzaehlen-im-zeitalter-des-internets-17737/

Tagung an der Evangelischen  Akademie Loccum 

Erzählte Welt. Sinnstiftung in Zeiten kultureller und politischer Umbrüche“
 2. – 4. 5. 2018 in 31547 Rehburg-Loccum, http://www.loccum.de

in Zusammenarbeit mit Univ. Prof. DDR. Christina Schachtner (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt)

  1. Ausgangslage

Das Nachdenken über „Erzählen“, „Erzählungen“ und „Narrativen“ hat Konjunktur. Das liegt zum einen daran, dass sich alltagspraktisch das Feld des Erzählens durch die Neuen Medien und ihre Genres erheblich geweitet hat. Im akademischen Diskurs ist zum anderen in den letzten zwei Jahrzehnten die Erzählforschung zu einem interdisziplinär-kulturwissenschaftlichen Ansatz weiterentwickelt worden, der weit über das philologische Feld hinausgeht. Erzählen ist demnach ein menschliches Grundbedürfnis und konstituiert Welt, indem durch Erzählungen ein kulturelles Grundmuster gewebt wird, das Erkenntnis, Orientierung und Bewertung erst ermöglicht. Hinzu tritt ein gesellschaftlich-politisches Interesse an Erzählungen und Narrativen, wenn beispielsweise das Fehlen einer gemeinsamen Europäischen Erzählung für den Europäischen Einigungsprozess als hinderlich erachtet oder der Bezug auf gemeinsame Narrative in der Migrationsgesellschaft integrationspolitisch eingefordert wird.

Es ist also zu konstatieren, dass sich die Formen des Erzählens verändert haben und noch im Verändern begriffen sind, indem Erzählen heute mehr und mehr in den neuen Medien und damit im Internet über kulturelle und politische Grenzen hinweg stattfindet. Erzählt wird überall auf der Welt. Durch die technischen Möglichkeiten werden die verschiedensten individuellen Erzählungen, die vorher nur literarisch und journalistisch vermittelt wurden, global verfügbar und treffen in einem weltweit erfahrbaren Raum unmittelbar aufeinander. In wieweit die transkulturelle digitale Kommunikation auch strukturell auf die anderen Medien des Erzählens abfärben, ist eine offene Frage.

2.  Ziele und Inhalte

Auf der Tagung werden interdisziplinär aktuelle Formen des Erzählens in den Blick genommen, um zu klären,

  • wie sich Erzählen im Zeitalter des Internets gewandelt hat,
  • welchen Beitrag unterschiedliche Disziplinen (Kultur- und Medienwissenschaft, Psychologie, Psychotherapie, Arbeitssoziologie, Sozialpsychologie, Literaturwissenschaft) zum akademischen Diskurs der kulturwissenschaftlichen Erzählforschung erbringen
  • auf welche Weise die interdisziplinäre Erzählforschung zum Verständnis und zur Bearbeitung gesellschaftlich-politischer Umbrüche beitragen kann.

Dazu wird zunächst danach gefragt, welchen Stellenwert Erzählen in den einzelnen Disziplinen derzeit hat, und welche Erkenntnisse in einen interdisziplinären Diskurs eingebracht werden können. In einem zweiten Schritt werden konkret unterschiedliche Formen des Erzählens bestimmten Räumen zugeordnet. Dabei kann es sich um ganz reale Räume handeln, in denen sich Erzählen in der Gegenwartsgesellschaft vollzieht, oder aber auch um Räume im allegorische Sinne, die für Konstellationen stehen und die Kulturtechnik „Erzählen“ in bestimmte Kontexte stellt. Geplant sind Workshops zu gegenwärtigen Formen des Erzählers in Erzählcafés, in Unternehmen, in therapeutischen Räumen, in Träumen, in der Gegenwartsliteratur, in der Kirche, in digitalen Spielräumen.

Sodann wird der Frage nachgegangen, welche Formen des Erzählens in diesen Räumen zu Tage treten – und in welchen gesellschaftlich-kulturellen Konstellationen sich das jeweilige Erzählen ereignet. Was und wie wird warum erzählt? Welches Bild von Welt und Weltaneignung entsteht, welche Formen der Vergemeinschaftung und der Abgrenzung sind festzustellen?

In einem abschließenden Abschnitt sollen die Erträge bewertet und reflektiert werden, was eine interdisziplinäre kulturwissenschaftliche Erzählforschung zur Analyse und Bearbeitung der gegenwärtigen politisch-kulturellen Konstellationen beitragen kann, und wie diese Analyse umgekehrt die Erzählforschung allgemein und in ihren jeweiligen disziplinären Kontexten voranbringt.

3. Teilnehmer_innen

Personen aus den unterschiedlichen akademischen Disziplinen, die sich mit Erzählforschung beschäftigen, Personen, die sich anwendungsbezogen mit medial vermittelten Erzählen beschäftigen (z.B. Psycholog/innen, Psychotherapeut_innen, Personen aus Kulturinstitutionen, Pastor_innen), medien-, literatur- und kulturwissenschaftlich interessierte Personen, Sozialwissenschaftler_innen, Studierende, Promovierende.

 

Mit zwei Podiumsdiskussionen in Kooperation mit dem ORF und dem NDR sowie mit der Ausstellung ‚Mirror Systems‘ tritt das Forschungsprojekt ‚Subjektkonstruktionen und digitale Kultur‘ an die Öffentlichkeit‘.

Networked Life

Ein internationales Forschungsprojekt präsentiert seine Ergebnisse der interessierten Öffentlichkeit.

Am 19. November 2012 lud das Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt in Zusammenarbeit mit dem Universitätskulturzentrum UNIKUM Klagenfurt/Celovec und dem Radiosender Ö1 zur öffentlichen Veranstaltung Networked Life. Angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft, bot der Abend den über 150 Besucher_innen gleich zwei Programmpunkte: die Eröffnung der Ausstellung Mirror Systems sowie eine Podiumsdiskussion unter dem Titel Digitale Subjekte – Wenn das Netz zum Lebensort wird.

Ausgangspunkt für diese Veranstaltung war das interdisziplinär und international angelegte Forschungsprojekt Subjektkonstruktionen und digitale Kultur, das den virtuellen Raum als Lebensort von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit 2009 untersucht hatte. Das Klagenfurter Forschungsteam (Mag. Nicole Duller, Dipl.-Komm.wiss. Katja Ošljak, Mag. Heidrun Stückler, Mag. Elisabeth Augustin) hatte sich unter der Leitung von Univ. Prof. DDr. Christina Schachtner mit dem Thema digitale Kommunikation beschäftigt, ein Forschungsteam der TU Hamburg-Harburg untersuchte neue Arbeitsformen im Netz und ein Forschungsteam der Universität Bremen befasste sich mit Fragen digitalen Lernens. Mit der von der VW-Stiftung geförderten Veranstaltung Networked Life sollten die Forschungsergebnisse der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden.

Den Auftakt bildete die Eröffnung der Ausstellung des in Wien und Lissabon lebenden Wissenschaftskünstlers Herwig Turk, in der der Künstler seine Position zum Leben im digitalen Netzwerk formulierte. Mit intermedialen Installationen an mehreren Standorten der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt wird der Umgang mit realen und virtuellen Identitäten im Alltag veranschaulicht.

Das Kernstück der Ausstellung bildet Ms. U’s Bedroom, eine lebensgroße Rekonstruktion des Schlafzimmers einer in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebenden Netzaktivistin, deren Tagesablauf zunehmend von ihrer Präsenz in digitalen Netzwerken bestimmt wird.

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Zu sehen, oder besser gesagt, zu hören bekommen die BesucherInnen auch sprechende Handtaschen, die vor jedem/r PassantIn ihr Innerstes ausbreiten, ohne Scham Intimes preiszugeben sowie eine Audioinstallation mit Ö-Tonen aus einem Interview mit NetzaktivistInnen, das der Künstler mir einer arabischen Netzakteurin via Skype geführt hat.

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Über 40 verschiedene am Boden angebrachte QR-Tags, hinter denen sich Links zu informativen Websites mit Informationen rund um das Thema verstecken, fungieren für ein IT-affines Publikum als Leitsystem durch die Ausstellung.

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Den zweiten großen Programmpunkt dieses Abends bildete eine mit MedienexpertInnen aus Österreich, Schweiz und Deutschland besetzte Podiumsdiskussion zum Thema Digitale Subjekte – Wenn das Netz zum Lebensort wird.

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Die wissenschaftlichen LeiterInnen der Hamburger und Klagenfurter Forschungsteams Dr. Tanja Carstensen und Prof. DDr. Christina Schachtner erörterten mit Dipl.-Soz. Jürgen Ertelt von der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit in Bonn, dem Wiener Netzaktivisten Thomas Lohninger, Prof. Dr. Anna Tuschling von der Universität Bochum und dem Künstler Herwig Turk die Bedeutung und Auswirkungen des virtuellen Raumes als Lebensort von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Moderiert wurde die perspektivenreiche und lebhafte Diskussion von der Ö1–Wissenschaftsredakteurin Dr. Sonja Bettel. Die Debatte wurde vom Radiosender Ö1 aufgezeichnet und am 25. 11. 12 in der Sendung Matrix ausgestrahlt.


Weitere Informationen:

Video zur Podiumsdiskussion

Folder zur Veranstaltung „Networked Life“

Nachbericht „Networked Life“

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Herrenhäuser Gespräche: Web 2.0 – Kulturkiller oder Kreativraum?

Facebook, Twitter, Weblogs, Wikipedia & Co. haben die Bedingungen für Lernen, Bildung und Arbeit verändert. Feiern die einen das Netz als Chance auf Partizipation, Freiheit, Kreativität und Selbsbestimmung, warnen die anderen vor Informationsflut, Überforderung und Kulturverlust. Unbestritten ist, dass sich die Lebensrealitäten vor allem jüngerer Menschen in Arbeit und Bildung in einem grundlegenden Wandel befinden. Die Grenzen zwischen Erwerbsarbeit und den anderen Lebensbereichen verschwimmen im Zuge der zunehmenden Verbreitung von Smartphones und mobilem Internet. Auch die Grenze  zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre steht zur Disposition. Die Bildungsinstitutionen sind gefordert, die jungen Menschen auf die neuen Anforderungen vorzubereiten und zu schauen, wo eigenständig neue Muster informellen Lernens entwickelt werden. Worauf muss sich die Gesellschaft insbesondere mit  Blick auf die Bereiche Arbeit und Bildung vorbereiten? Wie kann einerseits die gesellschaftliche Integration der jungen technik- und medienorientierten  Generation gesichert werden? Wo können andererseits Spielräume zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit und ihrer Kreativität eröffnet werden?

06. Dezember 2012, 19:00 Uhr
Ort: NDR, Kleiner Sendesaal, Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 22, Hannover

Sendetermin: 16.12.2012 / 20 Uhr / NDR Kultur Sonntagsstudio

TeilnehmerInnen:
Prof. Dr. Christina Schachtner: Medienwissenschaftlerin, Universität Klagenfurt
Prof. Dr. Heidi Schelhowe: Informatikerin, Universität Bremen
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer: Psychologe, MPI für Bildungsforschung
Prof. Dr. Christian Pfeiffer: Kriminologe, Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen
Sebastian Sooth: Projektmanager für Medien-, Web 2.0- und Kulturprojekte

Moderation:
Stephan Lohr, NDR Kultur

Weitere Informationen:

Download: Programm „Herrenhäuser Gespräche“

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