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Schachtner, Ch. (2019): Die Anderen – Intersubjektivität im Netz psychoanalytisch betrachtet, in: Frick, Eckhard/ Andreas Hamburger/Sabine Maasen (Hg.), Psychoanalyse in technischer Gesellschaft, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 177 – 190

Im Mittelpunkt dieses Beitrags stehen die digital gestützten Kommunikationspraktiken und die ihnen zugrunde liegenden und sie begleitenden Motive, Intentionen und Emotionen junger Netzakteure und -akteurinnen. Der Text widmet sich der Frage, inwieweit sich die Sinnbedeutung solcher Praktiken durch ein psychoanalytisches Vokabular erschließt, anders gesagt: Ich frage nach dem Erkenntniswert psychoanalytischer Kategorien für die Untersuchung digital gestützten Kommunizierens und Erlebens.

 

Vortrag „Transnationale Räume und skopische Medien. Sozialität im Wandel“

 

Konferenz „Great Transformation“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena vom 23.-27.9.2019

www.great-transformation.uni-jena.de.

 

Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie am 25.7.2019, 15 – 17.30, Raum SR 317

Christina Schachtner

Der Terminus „transnationale Räume“ knüpft an dem von Ludger Pries (1998) formulierten Konzept der „Transnationalen Sozialen Räume“ an. Es werden darunter neue grenzüberschreitende Verflechtungszusammenhänge verstanden, die eine Referenzstruktur für Lebenspraxis und Selbstkonzepte darstellen. Transnationale Räume weisen ökonomische, ökologische, politische, soziokulturelle Dimensionen auf. Dieser Vortrag fokussiert primär die soziokulturellen Dimensionen im Zusammenhang mit Migrationsbewegungen. Es soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle Medien für die Organisation und Gestaltung transnationaler soziokultureller Räume spielen. Migrant_innen sind Produzent_innen transnationaler Räume; sie bedienen sich skopischer Medien, die sich als Instrumente, Orte und Produkte bewegter Zugehörigkeiten erweisen.

Skopische Medien sind in der Lage, geografisch entfernte Situationen zu koppeln, zusammenzufassen, zu augmentieren und dadurch Beobachtungs- und Informationsräume als neue Realitäten zu eröffnen (Knorr Cetina/Reichmann/Woermann 2017). Das geschieht z.B. wenn Migrant_innen mit den Zurückgebliebenen im Herkunftsland via WhatsApp Bilder austauschen, durch die entfernte Wirklichkeiten in die Wirklichkeit des Aufnahmelandes projiziert und dort wirksam werden etwa in Form hybrider Selbstkonzepte (Hepp/Bozdag/Szana 2011). Skopische Medien bilden Situationen nicht nur ab; sie greifen ein. Sie visualisieren Nicht-Sichtbares, sie lösen die Beobachtung Anderer aus dem physischen Zusammenhang, sie verändern das Verständnis von Präsenz, sie begründen einen neuen Typus von Interaktion und fördern damit den Wandel von Sozialität.

Der Vortrag basiert auf der noch laufenden Studie „Transnationale Lebensformen. Grenzüberschreitende Lebensstile und Subjektkonstruktionen im Zeichen medialer Orientierungen und Praktiken“, in der sich der skopische Charakter von Medien auf drei Ebenen zeigte:

  • auf der Ebene kultureller Codes
  • auf der Ebene von Intersubjektivität
  • auf der Ebene medialer Produkte als Ergebnis transnationaler Erfahrungen

Im Rahmen dieser Studie wurden 36 Interviews mit Menschen verschiedenen Geschlechts geführt, die zwischen Anfang 20 und ca. 50 Jahre alt waren. Sie sind aus verschiedenen europäischen, afrikanischen und arabischen Regionen in den deutschsprachigen Raum (Österreich und Deutschland) eingewandert und haben in den jeweiligen Aufnahmeländern eine mittel- bis langfristige Lebens- und Arbeitsperspektive. Es wird mit einem verstehend-interpretativen Methodensetting gearbeitet.

Als Erklärungsansätze werden in dem Vortrag neben den Konzepten „Transnationale Räume“ und „Transtopien“ (Yildiz 2015), die Denkmodelle „Skopische Medien“ und „Mimetische Begegnung“ (Wulf 2006) genutzt.

 

Literatur

Hepp, Andreas/Cigdem Bozdag/Laura Sana (2011): Mediale Migranten. Mediatisierung und die kommunikative Vernetzung der Diaspora, Wiesbaden: VS Verlag.

Knorr Cetina, Karin/Werner Reichmann/Niklas Woermann (2017): Dimensionen und Dynamiken synthetischer Gesellschaften, in: Krotz, Friedrich/Cathrin Despotović/Merle-Marie- Kruse (Hg.), Mediatisierung als Metaprozess, Wiesbaden: Springer, S. 35 – 57.

Pries, Ludger (1998): Transnationale Soziale Räume. Theoretisch-empirische Skizze am Beispiel der Arbeitswanderungen Mexiko-USA, in: Beck, Ulrich (Hg.), Perspektiven der Weltgesellschaft, Frankfurt/Main: Suhrkamp, S. 55 – 86.

Wulf, Christoph (2006). Anthropologie kultureller Vielfalt. Interkulturelle Bildung in Zeiten der Globalisierung, Bielefeld: transcript

Yildiz, Erol (215): Postmigrantische Perspektiven. Aufbruch in eine neue Geschichtlichkeit, in: Yildiz, Erol/Marc Hill (Hg.), Nach der Migration, Postmigrantische Perspektiven jenseits der Parallelgesellschaft, Bielefeld: transcript, S. 19 – 36.

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Politische Öffentlichkeiten und Partizipation im digitalen Zeitalter: Der Arabische Frühling, in: Bedford-Strohm, J./F. Höhne/J. Zeyer-Quattlender (Hg.), Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit, Baden-Baden: Nomos, S. 135 – 150.

Das erzählte Selbst: Narrative Subjektkonstruktionen im Zeichen medialen und gesellschaftlich-kulturellen Wandels, in: Gentzel, P./F. Krotz/J. Wimmer/R. Winter (Hg.): Das vergessene Subjekt, Subjektkonstitutionen in mediatisierten Alltagwelten, Wiesbaden: Springer VS, S, 159 – 184 ,

https://www.springerprofessional.de/en/das-erzaehlte-selbst-narrative-subjektkonstruktionen-im-zeichen-/16577546.